slideshow 1 slideshow 2 slideshow 3 slideshow 4 slideshow 5 slideshow 6 slideshow 7 slideshow 8

Alfred Berroth

Nachfolger von Gast wurde im Jahre 1927 Alfred Berroth, geb. am 20. November 1892 in Dörzbach, Kreis Künzelsau. Er promovierte 1915 mit der Arbeit Die Erdgestalt und die Hauptträgheitsmomente der Erde im Äquator aus Messungen der Schwerkraft. Auch hier schließt sich wiederum der Kreis zu Helmert, denn die Anregung zu diesem Thema erhielt er durch seine Beschäftigung als persönlicher Rechner Helmerts in Potsdam, wo er im November 1913 seine wissenschaftliche Tätigkeit aufgenommen hatte. Im Jahre 1925 habilitierte sich Berroth an der TH Charlottenburg, 1926 wurde er zum o. Professor an die Landwirtschaftliche Hochschule Berlin berufen, um 1927 nach Aachen zu wechseln. Hier lehrte er bis zum Jahre 1940, um dann - wie schon Schumann - einem Ruf auf die Lehrkanzel Höhere Geodäsie und Sphärische Astronomie an der TH Wien zu folgen. Nach Kriegsende kehrte er in seine schwäbische Heimat zurück und entfaltete im Ruhestand noch eine vielseitige und überaus fruchtbare Forschungstätigkeit. Sein wissenschaftliches Werk ist in ca. 100 Veröffentlichungen im In- und Ausland publiziert worden. Es ist gekennzeichnet durch den Ansatz, der Geodäsie, insbesondere für die Erforschung des Schwerefeldes und der Figur der Erde, neue Verfahren und die modernsten technischen Hilfsmittel zu erschließen. Insbesondere ist seine Affinität zur angewandten Geophysik hervorzuheben. So ist er überzeugt, dass die geodätische Begriffsbildung aus der rein geometrischen Sichtweise auf die allgemeinere, physikalische Formalisierung umzustellen sei. Es überrascht nicht, dass im Handbuch der Physik von Geiger und Scheel (1926) eine Monographie Schweremessungen von ihm verfasst wurde.

In seiner Aachener Zeit beschäftigt er sich mit Referenzpendelmessungen, mit Messungen der Variation der Schwere durch Sonne, Mond und dynamische Meeresgezeiten, mit Drehwaagenmessungen, mit Doppelbildentfernungsmessern, mit der Ortsbestimmung durch Schallmessungen, mit der Lagerstättenforschung, mit der Absteckung mittels Winkelbildverfahren oder auch mit geodätischen Entfernungsmessungen mit dem Berroth-Fennel'schen Keilmikrometer u. v. m. Mit dem Namen Berroth ist schließlich der Begriff Kosmische Geodäsie unzertrennlich verbunden, unter welchem Titel er zusammen mit Prof. Hofmann (Bonn) im Jahre 1960 ein Hand- und Lehrbuch verfasste. B. erkannte frühzeitig die Möglichkeiten und die Zukunftsbedeutung der Hochzieltriangulation zur Überbrückung von Meeresgebieten, womit er - weit vor der Zeit - die Verwendung von Raketen und Satelliten als geodätische Zielpunkte vorschlug. Am 7. Dezember 1978 verstarb Prof. Berroth in Stuttgart; ein ausführlicher Nachruf von W. Hofmann und H. Wolf folgte in der ZfV 4/79.

Hauptseite Geschichte

Zurück zu P. Gast

Weiter zu Die Kriegsjahre