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F. R. Helmert

Von der Gründung der Hochschule im Jahre 1870 bis zum Ende des Jahres 1885 hatte F. R. Helmert den Aachener Lehrstuhl für Praktische Geometrie und Geodäsie inne. Erst 27-jährig wurde er am 13. Januar 1870 zum ordentlichen Lehrer ernannt, am 10. Oktober begann seine Lehrtätigkeit mit den Fachdisziplinen: Praktische Geometrie mit Situationszeichnungen und Übungen, Ausgleichungsrechnung, Höhere Geodäsie. Die Ernennung zum Professor erfolgte zum 31. Dezember 1872. Friedrich Robert Helmert übte sein Lehramt in Aachen bis zum 21. Dezember 1885 aus, um zum 1. Januar 1886 als Nachfolger des Generals von Baeyer das Direktorat des Königl. Preußischen Geodätischen Instituts in Berlin zu übernehmen. Dieses Amt wurde zugleich mit einer neuerrichteten ordentlichen Professur für Höhere Geodäsie bei der Philosophischen Fakultät der Berliner Universität verknüpft.

Es kann an dieser Stelle nicht der Versuch unternommen werden, den genialen Wissenschaftler und Forscher F. R. Helmert in seiner Entwicklung, Bedeutung und in seiner wissenschaftlichen Ausstrahlung in die Gegenwart darzustellen. Hierzu sind in mannigfachen Zeitschriften und Veröffentlichungen umfassende Abhandlungen nachzulesen, so z. B. stellvertretend von den Professoren F. Löschner und H. Wolf in der Veröffentlichung Nr. 18 dieser Schriftenreihe oder aus Anlaß des 150. Geburtstages von Helmert in der AVN 5/1993 von Prof. Draheim. Hier sollen dagegen die Werke der Aachener Schaffensperiode kurz erwähnt werden. Helmerts Dissertation (1868) zum Thema Studien über rationelle Vermessungen im Gebiete der höheren Geodäsie zeigte bereits seine Freude an mathematischen Entwicklungen, sowie eine lebensnahe Synthese von Theorie und Experiment, dokumentiert die Arbeit doch den auch noch heute gültigen Versuch, eine Vermessung mit notwendigem Genauigkeitsgrad und mit möglichst wenig Zeit und Geld auszuführen. Diese Doktorarbeit barg den Keim seines ersten großen Lehrbuches: Die Ausgleichungsrechnung nach der Methode der kleinsten Quadrate mit Anwendungen auf die Geodäsie, Teubner-Verlag 1872. Obwohl dieses noch heute vielzitierte Standardwerk der Ausgleichungsrechnung großen Wert auf die praktischen Anwendungen legt, werden die mathematischen Grundlagen derart ausführlich behandelt, dass dieses Buch auch einem weiten Kreis von Physikern und Ingenieuren wertvoll wurde. Dass Helmert im übrigen die Denkweise der Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik durchaus nicht fremd war, zeigt die Tatsache, dass er die heute in der Statistik viel benutzte Chi-Quadrat-Verteilung bereits im Jahre 1876 angewandt und publiziert hatte, also weit vor Pearson (1884), dem sie heute allgemein zugeschrieben wird.

Die 70-er Dekade des äußerst produktiven Wissenschaftlers Helmert führte schließlich zu einem das Ganze der Geodäsie umfassenden fundamentalen Werk, welches unter dem Titel Die mathematischen und physikalischen Theorien der höheren Geodäsie in zwei Bänden erschienen ist, der erste Band Die mathematischen Theorien 1880, der zweite Band Die physikalischen Theorien 1884. Mit diesem Standardwerk der Landes- und Erdvermessung lieferte er die theoretischen Grundlagen der Höheren Geodäsie, durchsetzt mit zahlreichen eigenen Entwicklungen. So ist insbesondere im ersten Band bereits die Theorie der Lotabweichungen enthalten, die er später selbst in so großartiger Weise in die Tat umsetzen sollte. Die Physikalischen Theorien kann man dagegen als die Krönung seines geodätischen Schaffens in Aachen ansehen. Hier wird eine klassische Theorie des Schwerefeldes und der Figur der Erde entwickelt, welche gleichfalls durch umfangreiche Beispiele aus praktischen Anwendungen untermauert wird. Als nach Erscheinen dieses Werkes der hochverdiente Organisator der Mitteleuropäischen Gradmessung, General Dr. Baeyer, starb, bestand kein Zweifel, dass Helmert dessen allein berufener Nachfolger an der Spitze des Preußischen Geodätischen Instituts sei. Zum 1. Januar 1886 verlässt Helmert die Aachener Wirkungsstätte.

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