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F. Rudolf Jung

Mit Wirkung vom 1. November 1950 wurde F. Rudolf Jung auf den Lehrstuhl des Geodätischen Instituts berufen und zum Direktor ernannt. Jung, geb. am 10. November 1909 in Stolberg, studierte an der Universität Bonn Vermessungswesen und promovierte dort mit einem geodätisch-astronomischen Thema zum Dr. phil. Im Juli 1938 wurde er Baurat an der Staatsbauschule Charlottenburg in Berlin, nahm aber sogleich Verbindung mit der TH auf, um sich dort im Jahre 1942 mit Untersuchungen über den Einfluss der wahren Schwere auf die Nivellements hoher Genauigkeit zu habilitieren. Im Mai 1942 wechselte er an die TH Charlottenburg als Dozent. Nach dem Kriegsende war Professor Jung ab Januar 1946 als Regierungsrat und ab Juni 1948 als Oberregierungsrat am Deutschen Hydrographischen Institut Hamburg Leiter der Abteilung Seekartenwerk. Während dieser Tätigkeit erfolgte im Februar 1948 seine Umhabilitierung an die Universität Hamburg.

Er fand in Aachen ein Institut vor, von dem nach den Zerstörungen durch Kriegseinwirkungen wenig übrig geblieben war. Er baute dies mit vorausschauender Umsicht und aller verfügbaren Tatkraft zu einem räumlich und instrumentell bestens ausgestatteten Institut aus. Besondere Vorliebe widmete er der Photogrammetrie, für die er seinerzeit modernste photogrammetrische Großgeräte, wie das Zeiss-Entzerrungsgerät SEG V, den Stereoplanigraphen C8, den Wild-Autographen A8 und den Jenaer Stereographen 1318 beschaffte. Diese wurden für Forschungszwecke und die Ausbildung der Geodäten, durchschnittlich 15 bis 20 pro Studienjahr, intensivst eingesetzt und erst durch den Verfasser Ende der 80-er Jahre ausgemustert.

Seinem Kollegenkreis fühlte er sich stets verbunden. So führte er das Aachener Geodätische Kolloquim ein und war 1954 maßgeblich an der Einrichtung der bis heute alljährlich stattfindenden Arbeitstagungen des DVW im Essener Haus der Technik beteiligt. Sowohl im DVW als auch in der Deutschen Gesellschaft für Photogrammetrie, deren stellvertretender Vorsitzender er von 1950 bis 1953 und Vorsitzender von 1955 bis 1958 war, engagierte er sich ehrenamtlich und tatkräftig für die Interessen seiner Fachkollegen. Schließlich bekleidete er im Rahmen der Fédération Internationale des Géomètres (FIG) das Amt des Präsidenten der Kommission III (Methoden, Instrumente, Photogrammetrie und Kartographie) in den Jahren 1951 bis 1956 sowie seit August 1960 das Amt des Präsidenten der Deutschen Geodätischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Aus der Fülle seiner hochschulinternen Funktionen an der TH Aachen seien nur die 2 Jahre als Vorsteher der Abteilung für Bauingenieurwesen sowie als Dekan der Fakultät für Bauwesen und seine zweijährige Amtszeit von 1956 bis 1958 als Rektor der Hochschule hervorgehoben. Die wissenschaftlichen Arbeiten Jungs erstreckten sich von der Kartographie, über die Photogrammetrie bis hin zur Ingenieurgeodäsie. Er legte großen Wert auf eine breite Forschungstätigkeit in seinem Institut, wobei er selbst durch eine Reihe von Veröffentlichungen insbesondere zum Thema Nivellement und Schwere, Potentialdifferenzen und orthometrische Höhen beitrug. Zusammenfassend und anerkennend muss Prof. Jung der völlige Neuaufbau des Geodätischen Instituts nach dem Kriege zu einer technisch modernen Ausbildungsstätte als seine höchst anspruchsvolle und organisatorische Lebensleistung zugeschrieben werden. Prof. Jung verhandelte konsequenterweise auf ministerieller Ebene seinen fachlich wohl begründeten Plan, auch in Aachen die Möglichkeit eines geodätischen Vollstudiums zu bieten, mit besten Erfolgsaussichten. Insofern hatte er auch die Voraussetzungen geschaffen und die Berufungszusage von Prof. H. Wolf auf eine Professur Höhere Geodäsie erhalten. Durch das allzu frühe Ableben von Prof. Jung am 3. November 1961 konnte dieser Plan jedoch nicht mehr realisiert werden. Nachrufe finden sich in der ZfV 12/1961 und in der BuL 1/1962.

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